Rund 270'000 Gebäude in der Schweiz werden noch mit Gas beheizt. Doch die Gasheizung steht vor dem Aus: Steigende Gaspreise, die CO₂-Abgabe und kantonale Vorschriften machen Erdgas als Heizenergie zunehmend unwirtschaftlich. Wer heute eine Gasheizung betreibt, sollte den Umstieg planen – nicht erst wenn die Heizung ausfällt.
Anders als bei Ölheizungen gibt es bei Gasheizungen eine Besonderheit: Viele Liegenschaften sind an ein Gasnetz angeschlossen, und der Rückbau des Gasanschlusses kann zusätzliche Kosten verursachen. Dennoch lohnt sich der Umstieg in den allermeisten Fällen.
Warum die Gasheizung keine Zukunft hat
Erdgas ist ein fossiler Energieträger, der bei der Verbrennung CO₂ freisetzt. Pro Kilowattstunde Wärme entstehen rund 200 Gramm CO₂ – etwas weniger als bei Öl, aber immer noch deutlich zu viel für die Klimaziele. Die CO₂-Abgabe verteuert das Gas stetig, und die Gaspreise sind seit der Energiekrise auf einem deutlich höheren Niveau als früher.
Dazu kommt die regulatorische Unsicherheit: Immer mehr Kantone schränken den Betrieb fossiler Heizungen ein. In Basel-Stadt und Zürich gelten bereits strenge Vorschriften beim Heizungsersatz. Weitere Kantone werden folgen, da die Umsetzung der MuKEn 2014 voranschreitet.
Ein weiteres Risiko: Viele Schweizer Gasversorger planen, ihre Netze mittelfristig stillzulegen oder auf Biogas umzustellen. Biogas ist zwar klimafreundlicher, aber deutlich teurer als Erdgas. Wer heute in eine neue Gasheizung investiert, riskiert, in 10 bis 15 Jahren ohne Gasversorgung dazustehen.
Die besten Alternativen zur Gasheizung
Luft-Wasser-Wärmepumpe: Die Standardlösung
Für die meisten Gebäude mit Gasheizung ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe die ideale Alternative. Der Umstieg ist vergleichsweise einfach, da die bestehende Wasserverteilung (Radiatoren oder Fussbodenheizung) weiterverwendet werden kann. Die Wärmepumpe wird anstelle des Gaskessels installiert, und das Aussengerät findet im Garten oder an der Fassade Platz.
Kosten für den Umstieg Gas auf Luft-Wärmepumpe: CHF 28'000 bis CHF 38'000 inklusive Demontage der Gasheizung, Rückbau des Gasanschlusses (falls gewünscht), Installation der Wärmepumpe und Anpassung der Regelung. Die jährlichen Betriebskosten sinken von CHF 3'000 bis CHF 4'500 (Gas) auf CHF 1'200 bis CHF 2'000 (Strom für Wärmepumpe).
Erdsonden-Wärmepumpe: Premium-Lösung
Wenn das Grundstück eine Erdsondenbohrung erlaubt, ist diese Variante langfristig die wirtschaftlichste. Die konstante Erdwärme ermöglicht einen COP von 4.5 bis 5.5, was die Betriebskosten auf CHF 800 bis CHF 1'300 pro Jahr senkt. Kosten: CHF 42'000 bis CHF 58'000.
Fernwärme: Komfort ohne Aufwand
In städtischen Gebieten ist Fernwärme oft eine attraktive Option. Viele Gasversorger bauen parallel Fernwärmenetze auf und bieten ihren Kunden aktiv den Wechsel an. Der Vorteil: Kein eigenes Heizsystem im Haus, kein Wartungsaufwand, zunehmend erneuerbare Energie. Die Anschlusskosten liegen bei CHF 15'000 bis CHF 25'000.
Hybride Lösung: Wärmepumpe + Gasheizung
Für Gebäude mit sehr hohem Wärmebedarf (schlecht gedämmt, grosse Wohnfläche) kann eine Hybridlösung sinnvoll sein. Eine kleinere Wärmepumpe deckt 80 bis 90 Prozent des Wärmebedarfs, die bestehende Gasheizung springt nur an den kältesten Tagen ein. Kosten: CHF 20'000 bis CHF 28'000 für die Wärmepumpe. Langfristig sollte jedoch die vollständige Umstellung das Ziel sein.
Sonderfall: Gasheizung in Mehrfamilienhäusern
Bei Mehrfamilienhäusern ist der Heizungsersatz oft komplexer. Hier kommen neben Wärmepumpen auch Holzschnitzelheizungen oder der Anschluss an ein Wärmenetz in Frage. Die Kosten pro Wohneinheit sind bei grösseren Anlagen oft günstiger als bei Einfamilienhäusern. Wichtig: Bei Stockwerkeigentum muss die Eigentümerversammlung den Heizungsersatz beschliessen.
Für grössere Mehrfamilienhäuser mit mehr als 10 Wohnungen kann eine Grundwasser-Wärmepumpe besonders wirtschaftlich sein. Die Bewilligungspflicht variiert je nach Kanton, und die Verfügbarkeit von Grundwasser muss geologisch abgeklärt werden.
Fördergelder beim Gasheizungsersatz
Der Ersatz einer Gasheizung wird ähnlich gefördert wie der Ersatz einer Ölheizung. Das Gebäudeprogramm und die kantonalen Programme bieten folgende Beiträge:
- Wärmepumpe (Luft): CHF 2'000 bis CHF 5'000 (Bund) plus CHF 3'000 bis CHF 8'000 (Kanton)
- Wärmepumpe (Erdsonde): CHF 3'000 bis CHF 6'000 (Bund) plus CHF 5'000 bis CHF 12'000 (Kanton)
- Fernwärmeanschluss: CHF 2'000 bis CHF 4'000 (je nach Kanton)
- Holzheizung: CHF 3'000 bis CHF 6'000
Zusätzlich sind die Kosten steuerlich abzugsfähig. Bei einem Grenzsteuersatz von 30 Prozent und Investitionskosten von CHF 35'000 ergibt das eine Steuerersparnis von rund CHF 10'500 – ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
Der optimale Umstiegsplan
So gehen Sie den Umstieg von der Gasheizung am besten an:
- GEAK Plus erstellen lassen (CHF 1'500 bis CHF 2'500): Verstehen Sie den energetischen Zustand Ihres Gebäudes
- Gebäudehülle prüfen: Vor dem Heizungsersatz die Dämmung optimieren, damit die neue Heizung kleiner dimensioniert werden kann
- Heizsystem wählen: Basierend auf GEAK-Empfehlung, Budget und örtlichen Gegebenheiten
- Förderanträge stellen: Unbedingt vor Baubeginn bei Kanton und Bund beantragen
- Offerten einholen: Mindestens drei Offerten vergleichen
- Installation planen: Idealerweise im Sommer, wenn die Heizung nicht gebraucht wird
Biogas als Übergangslösung?
Einige Gasversorger bieten heute Biogas-Produkte an. Biogas ist zwar CO₂-neutral, da es aus organischen Abfällen gewonnen wird, aber es ist deutlich teurer als Erdgas (oft 50 bis 100 Prozent Aufschlag). Zudem sind die verfügbaren Biogas-Mengen begrenzt. Biogas kann als kurzfristige Übergangslösung dienen, sollte aber nicht als langfristige Strategie betrachtet werden.
Fazit: Der Umstieg lohnt sich
Die Gasheizung hat ausgedient. Ob Luft-Wärmepumpe, Erdsonde oder Fernwärme – alle modernen Alternativen sind langfristig günstiger, umweltfreundlicher und zukunftssicher. Mit Fördergeldern und Steuerabzügen wird die Investition zusätzlich attraktiv. Handeln Sie jetzt, solange die Fördertöpfe gut gefüllt sind und Handwerker verfügbar.
Kombinieren Sie den Heizungsersatz mit einer Solaranlage und machen Sie Ihr Haus zum eigenen Kraftwerk.